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Wer die Holzmodel geschnitzt hat...
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Wer die Holzmodel
geschnitzt hat ...
Unser Museumsbestand umfasst eine große Anzahl Holzmodel, unter
denen sich wahre Spitzenstücke von hohem künstlerischem Rang
befinden. Bis auf die Wachsmodel in Vitrine 2 stammen alle aus dem
Hause selbst. Ich habe sie 1981 zusammen mit den anderen Beständen
oben auf dem Dachboden unseres Hauses (Marktstrasse 26 in Kitzingen)
entdeckt. Die Holztafeln standen aufrecht in mehreren Kisten, dick
überzogen mit Holzmehl und Staub. Sie wurden seinerzeit am
Bayerischen Nationalmuseum in München fachgerecht gereinigt und wo
nötig gefestigt. Bei Führungen werde ich immer wieder gefragt wer
diese Formen wohl geschaffen hat. War es der Konditor selbst, oder
gab es andere Spezialisten bzw. Künstler, die sich mit der
Herstellung solcher Model befassten, oder waren alle Genannten daran
beteiligt. Für Letzeres spricht, dass zwischen den einzelnen Model
jedenfalls große qualitative Unterschiede festzustellen sind.
Hauptsächlich waren es fahrende Modelstecher, die mit ihrem
Handwerksgerät von Ort zu Ort zogen und im Hause des Meisters für
einige Zeit wohnten und auf Bestellung arbeiteten. Ihre Vorlagen
waren Mode-Journale, Kupferstiche, Fürstenporträts, Genrebilder u.ä.
Sie standen bei ihren Auftraggebern, den Konditoren und Lebküchnern
im hohen Ansehen. So war es Ihnen erlaubt am Tische traditionell zur
Rechten des Meisters sitzen. Oft hatten diese berufsmäßigen
Modelstecher auch fertige Ware im Gepäck. Wir haben z.B. einen
prächtigen Reitermodel aus dem Jahre 1797 (Vitrine 8), bei dem in
der linken oberen Ecke der Preis, nämlich f 4 = 4 Gulden,
eingraviert ist. Übrigens für damalige Zeiten ein horrend hoher
Betrag! Der eingekerbte Preis könnte auch ein Hinweis darauf sein,
dass der Modelstecher seine Ware auf einer Verkaufsveranstaltung,
z.B. der Frankfurter Messe, angeboten hatte. Oft fertigten die
Modelstecher von einem einzigen Motiv eine ganze Serie in
verschiedenen Größen (Vitrinen 7 und 8). In Kitzingen hat der
Schreiner Jonaß Gulden um 1600 Holzmodel hergestellt. Sein
Verlassenschaftsinventar von 1612 enthält neben Schneidwerkzeug auch
"vier alte Gerbmödel, drei Streichmödel und neun Mödel, da man daß
Pappier darauff truckht" . Im späten 18. Jahrhundert ist in
Kitzingen der berufsmäßige Formschneider und Knopfmacher Johann
Ignatz Schlecht nachgewiesen (Julius Schwarz).
Auch die Lebküchner und Konditoren selbst versuchten sich im
Modelstechen, schon allein deshalb, weil früher die Fertigung eines
Model als Gesellenstück vorgeschrieben war. Einzelne erlangten dabei
hohe Meisterschaft, wie der Regensburger Lebzelter Timoteus Prunner,
dessen prächtige Rundmodel aus dem 17. Jahrhundert sich im Bestand
des Germanischen Museums in Nürnberg befinden. Andere Handwerker
brachten kaum Durchschnittliches zustande. Welcher Lebküchner oder
Konditor in unserem Hause selbst Model hergestellt hat, ist
unbekannt. Allerdings habe ich auf dem Dachboden auch
Schnitzwerkzeuge, Malvorlagen, unbearbeitete Holztafeln, sowie
Tafeln mit unvollendeten Schnitzereien gefunden. Das sind genug
Beweise dafür, dass in diesem Hause Model gestochen wurden.
Unsere Holzmodel stammen hauptsächlich aus der 2. Hälfte des 18. und
den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Es ist ganz auffallend,
dass gerade in dieser Zeit besonders schöne und prächtige Exemplare
entstanden sind. Es gibt dafür viele Gründe. Einer erscheint mir
sehr naheliegend: In dieser Epoche vollzogen sich als Auswirkung der
Französischen Revolution auch in Franken große soziale
Veränderungen. Als Folge davon wurden viele begabte Kunsthandwerker,
die vormals ihr Brot bei den Feudalherren verdienten, "arbeitslos",
zumindest aber gingen die Einkünfte zurück. Sie waren deshalb
gezwungen, ihre Kunst auch anderweitig anzubieten, um sich so ein
Zubrot zu verdienen. Es liegt nahe, dass einige dieser begabten
Künstler sich u. a. auch mit der Herstellung von Holzmodel
befassten. Es waren hauptsächlich Holzschnitzer, aber auch
Goldschmiede, Medailleure und Kupferstecher. Aus diesem Kreis
stammen offensichtlich die Spitzenstücke.
Leider sind nur wenige unserer Model mit den Initialen des
Modelstechers ausgestattet. Folgende Initialen sind auf unseren
Model zu finden: IFL, IA, GK, JA, ILS, FS, M. Bis heute ist es mir
nicht gelungen, die dazu gehörigen Namen ausfindig zu machen.
Lediglich die Initiale IFL habe ich auch auf einen Model des
Historischen Museums Wertheim entdeckt. Beide Model sind von
ähnlicher Qualität und könnten vom selben Künstler stammen. Übrigens
hat nicht selten der Konditor seine eigenen Initialen quasi als
Handelsmarke in die Figur einarbeiten lassen, oder mittels einer
solchen Kartusche außerhalb des Bildes sein Eigentum gekennzeichnet.
Viele unserer Model tragen die Kartusche GK. Es könnte sich um die
Initialen des Konditors Georg Künerth handeln, der von 1863-1876 im
Hause tätig war. Die Model sind aber viel älter.
Die Modelstecher verwendeten hauptsächlich Birnen- und Apfelholz für
Ihre Arbeiten. Diese weichen Obsthölzer waren hervorragend für die
Herausarbeitung der feinen und feinsten Strukturen geeignet.
Trotzdem waren sie robust genug, den beruflichen Beanspruchungen,
wie Druck, Schlag und Feuchtigkeit, standzuhalten. Allerdings sind
diese Hölzer besonders anfällig für Holzwurmbefall. Je nach dem
künftigen Verwendungszweck wurden sie tief oder flach geschnitten.
Die tiefgeschnittenen Lebkuchenmodel sind auch noch mit ca 0,5 cm
hohen Rändern ausgestattet, um den zähen Honigteig in die richtige
Form zu bringen. Unsere Modeltafeln sind alle längs zur Faser
geschnitten.
Walter Poganietz |