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Mispel
Mispel
Mespilus germanica
Rosengewächse
Rosaceae
Die Früchte der Mispel wurden bis ca. Mitte des 19. Jh. vom Konditor
und in der Privatküche verarbeitet. Rezepturen finden sich in den
Rezeptbüchern dieser Zeit aber nur sehr selten, eher noch in den
Kochbüchern als in den Konditorei-Fachbüchern. Dies lässt darauf
schließen, dass diese Frucht nie eine große Rolle in Küche oder
Konditorei gespielt hat. Nach 1850 ist in den einschlägigen
Konditorei - Fachbüchern über Mispeln überhaupt nichts mehr zu
finden. In den alten Rezeptbüchern wurden Mispeln auch „Dörrlitzen“,
Dürrlitzen“ oder „Dürgen“, auch „Hespelein“ genannt.
Mispeln oder Hespelein einzumachen [1]
Nehmet Mispeln oder Hespelein die noch ein wenig hart und nicht
gar zeitig seyn / wischet sie ab und stechet oben etliche Löchlein
mit einem Pfriemen darein / doch daß sie nicht durchaus gehen;
legets alsdann in einen Tiegel oder Glas / gießet einen geläuterten
und übersottenen Zucker darüber / beschwerets / und lassets also
stehen; wollte nach etlichen Tagen der Zucker wässericht werden /
kann man ihn noch zwey oder dreymahl übersieden / wie bereits
vielfältig erinnert worden.
Mispeln oder Hespelein einzumachen / auf andere Art.
Wann die Mispeln oder Hespelein / so annoch zimlich hart sind /
durchstochen worden / giesset ein siedend Wasser darüber / last es
nur ein wenig daran stehen / oder auch einen einigen wall darinnen
aufthun / alsdann seyhet es davon ab; schlichtets / wann sie wohl
ertrocknet / nachmal in einen Tiegel oder Glas / und giesset den
geläuterten Zucker / wann er zuvor ein wenig erkaltet / darüber.
Mispel in Candit [2]
Wenn solche nicht gar weich, werden sie mit Zitronath,
Orang.Schalen, Zimt et Nelchen bestuckt, in ein kalt lind Zucker
gelegt, solchen etlich mal dicker gesotten, u: immer kalt darüber
gethan, zuletzt läßt man die Mispeln ein wenig mit aufsieden.
Mispeln (Dörrlitzen, Dürrlitzen) einzumachen. [3]
Zu 2 Pfund Mispeln oder Dörrlitzen läutert man 1 Pfund Zucker,
legt die Dörrlitzen darein, schäumt sie während des Kochens fleißig
ab, läßt den Saft dicklicht einkochen, thut sie mit einem
Schaum=Löffel in ein Porzellan=Geschirr, gießt den Saft darüber,
läßt sie kalt werden, und bindet sie fest zu. Diese Frucht ist zu
den gebackenen Wiener=Gipfeln am besten zu gebrauchen. Siehe
folgendes Rezept.
Wiener=Gipfel (mit Mispeln)
Man nimmt ein halbes Pfund gesiebten Zucker, 3 Viertelpfund
feines Mehl, ein Zuckerlöffelein Zimmet, 8 gestoßene Nägelein und
die auf dem Reibeisen abgeriebene Schale von einer halben Zitrone,
schneidet anderthalb Viertelpfund frische Butter darein, rührt dieß
mit 2 ganzen Eyern und dem Gelben von 3 anderen zu einer dicken
Masse, würgt den Taig, wällt ihn eines Messerrückens dick aus,
schneidet dreyeckigte Stücklein davon, füllt in jedes derselben 3
bis 4 eingemachte Mispeln (oder auch Dörlitzen), schlägt das
mittlere Stück über das Eingemachte, die 2 anderen Enden dagegen,
legt die Gipfel auf ein mit Mehl besäetes Blech, und läßt sie
langsam backen.
Dürrlitzen=Mark [4]
Die Dürrlitzen werden mit halb Wasser und Wein so lange gekocht, bis
sie weich sind. Alsdann werden sie durch einen Suppenseiher oder
Haarsieb getrieben, und zu 1 Pfund Mark 3 Vierling Zucker geläutert;
das Mark so lange darin gekocht, bis es ganz dick ist, etwas
kleingeschnittene Citronenschalen darunter gethan und wenn es kalt
ist, in einen Zuckerglas aufbewahrt.
Walter Poganietz
| [1] |
Aus: „Vollständiges Nürnbergisches Koch=Buch“,
verlegt bei Wolfgang Moritz Endters 1691 |
| [2] |
Aus: „Verschiedene Bachwerke oder Confecturen“
von E.A.Hofmann. Handschrift 415 Seiten. Augsburg 1810 |
| [3] |
Aus: „Neues Kochbuch oder geprüfte Anweisung“
von F.L. Löfflerin. Erster Teil, 8. Auflage o.J. ca. 1824 |
| [4] |
Aus: „Neuestes Augsburgisches Kochbuch“ von
Weiler / Rosenfeld. 12. Auflage o.J. ca. 1850 |
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